Susanne
Klein ein Hund gemeldet, der am Hauenstein am Strassenrand liege, aber
noch lebe. Sofort nahm sie ihren roten Toyota und fuhr Richtung Pass.
An der signalisierten Stelle war kein Hund mehr zu sehen, aber seine
Spuren im Schnee waren noch klar zu erkennen. Parkieren und der Spur
des Hundes nachgehen war eins, doch die Nacht kam, bevor Frau Klein
fündig wurde. Armer Hund! Schweren Herzens kehrte sie um. Zwei Tage
später kam ein Anruf aus Wisen, es streune ein Hund umher, ob Susanne
Klein ihn nicht fangen könne? Und wieder „nichts wie los“, doch an Ort
und Stelle hiess es, jetzt sei er gerade verschwunden. Ja, wie er denn
aussehe? – Braun/weiss, mittelgross. Eine Woche später ein Telefon aus
Hägendorf. Ein streunender Hund. Schon wieder einer! Erneuter
Aufmarsch, doch fort war er, bis Susanne Klein kam. Die Beschreibung
passte zu den vorhergehenden Vorfällen. Später wieder ein Telefon vom
Hauestein, dann eines von Rickenbach; es wurde klar, dass es sich immer
um den gleichen Hund handelte.Nun wurde die Strategie gewechselt. Susanne Klein suchte Leute, die willens waren, den Hund mit Futter zu einem Haus zu locken. Das Futter verschwand in der Tat, doch der Hund war nicht zu fassen. Irgendwie hatte der Kerl ein ganz ausgeklügeltes Alarmsystem.
Doch durch ein paar konstante Futterstellen wurde sein Einzugsgebiet kleiner, und als im Revier eine Hündin läufig wurde, zog sich die Schlinge noch enger um ihn. Wenn die Besitzerin mit ihrer läufigen Hündin spazieren ging, folgte ihr der arme Kerl, bezirzt, ohne sich allzu sehr zu nähern. Das wiederholte sich ein paar Tage lang.
„Die
Stunde dringt und rascher Tat bedarf’s“ - und so verschaffte sich
Susanne Klein ein Narkosegewehr. Eines Morgens, nach dreimonatiger,
erfolgloser Jagd, zog sie aus mit
dem Gewehr, und fand den armen Streuner, wie er um die läufige Hündin
und deren Besitzerin kreiste.„Hier gilt es, Schütze, deine Kunst zu zeigen“. „Was, Tell, ihr zittert, die Hand erbebt euch, eure Knie wanken?“ Die Tellin durchfuhr der Gedanke, was wäre, wenn sie die Frau träfe anstatt des Hundes? Doch mit Tell voran - „es muss“ - und es ward genau wie bei Tells Geschoss. Noch 300 Meter machte der Hund, bevor die Narkose wirkte, dann brach er zusammen. Susanne Klein hob ihn sanft ins Auto, und er erwachte erst wieder im Bumeloch in einer schönen, warmen Box. Der weiche Korb gefiel ihm sichtlich. Schon nach ein bis zwei Tagen legte er sich auf den Rücken, um zu zeigen, dass er sich ergeben habe, und auch, um gekrault zu werden. Dennoch, der Jagdinstinkt war immer noch scharf, und sobald sich nur ein Anlass ergab, wurde wie wild die Umgebung drunter und drüber gemacht. Er wird ständige Aufmerksamkeit benötigen!
Pilger ist immer noch im Tierheim und geniesst die direkte Betreuung von Susanne Klein.

